Schornsteinfeger aus Leidenschaft


Als bester Schornsteinfeger im gesamten Bundesgebiet schloss Tobias Heyligers aus Kleve-Rindern seine Ausbildung ab. Damit gewann er den Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks im Ausbildungsberuf des Schornsteinfegers.

Sie tragen deftige schwarze Kleidung und haben nicht selten ein verrußtes Gesicht. Schornsteinfeger. Die schwarzen Männer (und Frauen) gelten in weiten Teilen der Welt als Glücksbringer. Man sagt ihnen nach, dass sie denen Glück bringen, die sie berühren. Tobias Heyligers ist so ein „Glücksbringer“, der nachweislich sich selbst das meiste Glück in der schwarzen Schornsteinfeger-Kluft gebracht hat. Denn in diesem Beruf hat der 24-jährige Klever seine Bestimmung gefunden. Und ein perfekter Abschluss – die Gesellenprüfung im Januar 2013 – machte ihn zum Innungsbesten und im folgenden dann auch noch zum Landes- und Bundessieger aller frisch gebackenen Schornsteinfeger mit Gesellenbrief.

Allerdings fand er die berufliche Erfüllung etwas verspätet. Denn seine erste Ausbildung absolvierte der lernbegierige Klever im Bereich „Zweiradmechaniker“ und hier in der Fachrichtung „Motorradtechnik“. Auch das sehr erfolgreich und mit Zweierabschluss. „Aber irgendwie dachte ich, dass es da noch was anderes geben muss, was ich beruflich erlernen kann.“ Über den Löschzug Rindern der Freiwilligen Feuerwehr Kleve, wo Heyligers selbst aktiv ist, gab ihm Stefan Welberts, der selbst Schornsteinfegermeister ist, den passenden Tipp.

Lehrzeitverkürzung

„Darüber hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber er wusste, wo die Stelle für einen Azubi im Bereich Schornsteinfeger noch unbesetzt war und ich dachte mir, dass ich das ausprobiere.“ Stefan Welberts, seine Familie und auch seine Freundin Katja haben ihn in diesem Schritt immer bestärkt. Nach einer Lehrverkürzung von drei auf zwei Jahren kam der super Abschluss. Die Lehre absolvierte er bei Josef Gietemann, bis der in Rente ging. Jetzt arbeitet Heyligers bei Bezirksschornsteinfeger Christof Haarhoff, der mit Bezirksschornsteinfeger Franz Josef Schoofs sowie der Schoofs, Energie- und Umweltberatung gemeinsam unter einem Dach firmiert. Hier arbeitet Heyligers auch im Büro und lernt beide Seiten eines Schornsteinfegerberufs genau kennen. „Es macht mir viel Spaß. Die Tätigkeit draußen – messen, fegen, beraten – genauso wie drinnen – unter anderem Umgang mit den Kunden“, erklärt er im Gespräch mit der NRZ.

Also ist der Beruf für ihn ein echter Glücksfall. Übrigens: Als Glücksbringer gelten Schornsteinfeger wohl deswegen, weil sie in früheren Jahren noch viel mehr als heute durch das Kaminfegen viele Menschen vor den tödlichen Folgen verstopfter Schornsteine schützten. Obwohl Schornsteinfeger in ihrer als „Koller“ bezeichneten Berufskleidung/Kluft aufgrund ihrer Tätigkeiten eine lebenswichtige Überwachung der Befeuerungsstätten darstellen, sind sie nicht in allen Ländern Pflicht. „Unter anderen in den Niederlanden zum Beispiel nicht“, erklärt der Klever.

Zur Ausstattung des Schornsteinfegers gehört noch traditionell das weiße Dreieckstuch, das früher gegen den Staub schützte, heute nur Zierde ist. „Gegen Ruß tragen wir richtige Masken“, klärt Heyligers auf. Zum Arbeitsmaterial gehören noch Handschuhe, Sicherheitsschuhe, und das Kehrgerät. Es besteht aus der Kugel, der Kette, der Kehreinlage und dem Seil.

Zu den Aufgaben, die nicht auf dem Dach stattfinden, gehören auch Messtätigkeiten an den Heizungsanlagen: Der Schornsteinfeger überprüft Öl-, Gas-, Biomassen-, Holz-, Pellets- und Hackschnitzelheizungen. Auch die Energieberatung spielt zunehmend eine Rolle.

Aufs Dach steigen Schornsteinfeger übrigens bei jedem Wetter – es sei denn es friert gefährlich oder es stürmt. Sicherheit geht vor, auch für einen Glücksbringer. Tobias Heyligers geht seinen Weg weiter und besucht zur Zeit die Meisterschule, um seinem Traum „Bezirksschornsteinfeger“ näher zu kommen.

Quelle: Neue Rhein Zeitung, 15.09.2014